Warum Ambulantisierung ohne gezielte Patientengewinnung nicht funktioniert
Wer über Ambulantisierung spricht, kommt an einer Frage nicht vorbei: Wie füllen Krankenhäuser künftig ihre Behandlungspfade? Denn wenn immer mehr Leistungen ambulant erbracht werden, entsteht automatisch ein neuer Wettbewerb um Patienten. Auslastung wird damit zur strategischen Aufgabe.
Beim Klinikforum wird schnell deutlich: Viele Krankenhäuser beschäftigen sich zwar mit Ambulantisierung, aber noch zu wenig mit systematischer Patientengewinnung.
Hier setzt der Beitrag von Martin Recht an.
„Patientengewinnung beginnt nicht mit Werbung“
Recht arbeitet seit Jahren mit Krankenhäusern daran, digitale Prozesse für die Patientengewinnung aufzubauen. Gleich zu Beginn räumt er mit einem verbreiteten Missverständnis auf.
Viele Kliniken glaubten, mehr Werbung sei automatisch der Schlüssel zu mehr Patienten. Tatsächlich liege der entscheidende Hebel aber woanders.
Patientengewinnung beginne mit drei Fragen:
- Welches Thema bewegt die Zielgruppe wirklich?
- Welche Patientengruppe möchte die Klinik konkret erreichen?
- Über welche Kanäle lassen sich diese Menschen präzise ansprechen?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich der Einsatz von Werbebudget.
Veranstaltungen als Türöffner für neue Patienten
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie dieser Ansatz funktioniert.
Ein rheinisches Krankenhaus veranstaltet einen Informationsabend zum Thema Beckenboden und Inkontinenz, ein Thema, das viele Frauen betrifft, über das aber selten offen gesprochen wird.
Die Veranstaltung wird digital beworben. Das Budget bleibt überschaubar. Das Ergebnis überrascht selbst erfahrene Klinikmanager: 130 Teilnehmerinnen erscheinen zur Veranstaltung.
Viele von ihnen lassen sich anschließend weiter beraten oder untersuchen.
Vom Informationsabend zur Operation
Noch deutlicher wird der Effekt bei einem zweiten Beispiel. Thema des Informationsabends: Knieschmerzen.
Auch hier richtet sich die Kommunikation gezielt an Menschen mit konkreten Beschwerden. Die Veranstaltung ist schnell ausgebucht. Am Ende stehen messbare Ergebnisse:
- 170 Teilnehmer
- 28 Untersuchungen in der Klinik
- mehrere Operationen, die bereits durchgeführt wurden
Recht formuliert es im Klinikforum bewusst nüchtern: Hier gehe es nicht um Likes oder Imageeffekte, sondern um Patientengewinnung, die Erlöse schafft und Behandlungspfade füllt.
Warum Ambulantisierung Patientengewinnung noch wichtiger macht
Die Diskussion im Klinikforum zeigt schnell, warum dieses Thema für viele Krankenhäuser an Bedeutung gewinnt. Mit der Ambulantisierung entstehen neue Versorgungsangebote, etwa in spezialisierten Zentren oder ambulanten Operationsbereichen.
Damit diese Strukturen funktionieren, müssen Kliniken jedoch sicherstellen, dass ausreichend Patienten diese Angebote auch nutzen. Patientengewinnung wird damit zu einem strategischen Bestandteil der Krankenhausentwicklung.
Digitale Prozesse statt Zufall
Recht beschreibt Patientengewinnung deshalb nicht als klassische Marketingmaßnahme. Für ihn handelt es sich vielmehr um einen strukturierten Prozess.
Dazu gehören unter anderem:
- klare medizinische Themen
- präzise definierte Zielgruppen
- digitale Kampagnen mit messbaren Ergebnissen
- ein funktionierender Übergang von Information zu Diagnostik und Behandlung
Erst wenn diese Elemente zusammenwirken, entsteht ein System, das zuverlässig neue Patienten gewinnt.
Ein Thema, das Krankenhäuser künftig stärker beschäftigen wird
Im Verlauf des Klinikforums wird deutlich: Ambulantisierung und Patientengewinnung gehören untrennbar zusammen.
Wer neue ambulante Versorgungsangebote aufbaut, muss auch Wege finden, die passenden Patienten gezielt anzusprechen.
Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass dies mit den richtigen Themen, klarer Zielgruppenansprache und digitalen Prozessen möglich ist – und zwar mit messbaren Ergebnissen.


